Künstliche Ernährung

Künstliche Ernährung (TPE)

Die Bedeutung der künstlichen Ernährung - vor allem auch im häuslichen Bereich - wird häufig unterschätzt. Lebensqualität und Ernährungszustand stehen für die betroffenen Patientengruppen in unmittelbarem Zusammenhang.

Die Mangelernährung ist eine häufige Ursache für eine frühe Rehospitalisierung. Die Lebensqualität sinkt und das Infektions- und Komplikationsrisiko steigt. Um Mangelernährung in allen Fällen zu vermeiden, in denen ein Patient weder oral noch enteral (über eine Magensonde) ernährt werden kann, empfiehlt es sich, die nötigen Grundnährstoffe parental zu geben.

Zu diesen Grundnährstoffen zählen Proteine (in Form von Aminosäuren), Kohelnhydrate (als Glukose und/oder Xylit), Fette (als Lipidemulsionen), Elektrolyte, Vitamine, Spurenelemente und Wasser. Über Art und Länge des Einsatzes parenteraler Systeme entscheiden im Idealfall Arzt und Apotheker gemeinsam anhand des Krankheitsbilds sowie einer Reihe individueller Faktoren (Ernährungszustand des Patienten, Gefahr von Komplikationen, Versorgungsmöglichkeiten zu Hause, etc.).

Die passende Ernährungslösung wird dann vom Apotheker unter streng aseptischen Bedingungen mit Hilfe einer hochtechnischen Laminar air flow (LAF)-Werkbank hergestellt, entweder als Mononährstoff- oder als Kombinationslösung. Dabei haben der Apotheker und sein Team rigide Richtlinien im Hinblick auf Hygiene, Desinfektion, Sterilität sowie Produktschutz einzuhalten und das Ergebnis ihrer Arbeit diversen Untersuchungen (unter anderem auf Stabilität) zu unterziehen.

Vor diesem Hintergrund kommt der Qualität der künstlichen Ernährung auch im Hinblick auf ein neues Kostenbewusstsein im Gesundheitswesen eine besondere Bedeutung zu. Hier ist bereits das Angebot einer Zusatznahrung in Form von Trinknahrung ein erster Einstieg in eine neue Qualität zur Minimierung der Mangelernährung.

Der allgemeine Trend zur Verkürzung des stationären Aufenthalts in Krankenhäusern macht gerade im Bereich der künstlichen Ernährung eine enge Verzahnung und Kooperation zwischen stationärer und ambulanter Versorgung notwendig. Die Beratung und Betreuung der betroffenen Menschen wird dabei ein entscheidender Faktor für den Erfolg der künstlichen Ernährung sein.

Die geschichtliche Entwicklung der künstlichen Ernährung beginnt schon ca. 1500 v. Chr. im alten Ägypten, was mehrere Aufzeichnungen auf Papyrus beweisen.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. befassten sich unter anderem der Grieche Hippokrates mit diesem Thema, ebenso wie später andere griechische, römische, chinesische, byzantinische und arabische Ärzte und Heiler.
1644 erfindet Jean Baptiste van Helmont flexible Katheter aus Leder für die Sondierung des Magens, also die erste Magensonde. Im 16. und 17. Jahrhundert werden intensive medizinische Studien betrieben, die die Kenntnisse des Körperkreislaufs vertiefen und zur Entwicklung der Infusionstherapie führen.
1790 ernährt der englische Chirurg John Hunter erstmals einen Patienten mit Schluckmuskulaturlähmung über einen längeren Zeitraum mit einer flexiblen Magensonde und einer Spritze. Die Sonde war aus Spiraldraht gefertigt und mit Aalhaut überzogen.
1874 war das Sondieren des Magens durch die von den Deutschen Ewald und Oser entwickelten Magensonden aus weichem Gummi weitgehend unproblematisch geworden.

Seit einigen Jahrzehnten ist eine komplette parenterale Ernährung möglich, unter anderem durch die Entwicklung geeigneter Nährlösungen und herausragenden Entwicklungen in der Kathetertechnik. Heutzutage können wir die ambulante PE Versorgung anbieten, die betroffenen Menschen einen großen Zuwachs an Lebensqualität gewährt.



s. Kooperation