Parenterale Ernährung

Parenterale Ernährung - ihre Bedeutung

Die tägliche Nahrung wie Essen und Trinken liefert uns alle wichtigen Nährstoffe, ohne die ein Überleben nicht möglich ist. Wir benötigen täglich Energie, Vitamine und Spurenelemente zum Erhalt für unsere Leistungsfähigkeit, zur Stärkung der körperlichen Abwehrkräfte und zur Förderung von Heilungsprozessen.

Ist der Mensch wegen einer Erkrankung nicht mehr in der Lage, genügend Nährstoffe und Flüssigkeit auf normalen Wege zu sich zu nehmen, ist eine zusätzliche oder ausschließliche parenterale Ernährung notwendig. Somit werden die notwendigen Lebensbausteine direkt in ein Blutgefäß verabreicht

Wann ist eine parenterale Ernährung notwendig?

Können der Magen und der Darm infolge einer Erkrankung oder Operation ihre Aufgaben nicht mehr vollständig übernehmen, kann eine parenterale Ernährung notwendig werden. Die künstliche Ernährung kommt immer dann zum Tragen, wenn oral nicht mehr ausreichend Nährstoffe aufgenommen werden können.
Alle lebensnotwendigen Nahrungsbausteine gelangen unter Umgehung des Magen- Darm- Traktes direkt in das Blut und werden wie die Nährstoffe aus der Nahrung in köpereigene Bausteine und Energie umgewandelt.  Das Endergebnis ist somit das gleiche.

Welche Zugangsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt sehr unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten. Für die heimparenterale Ernährung wird allerdings ausschließlich ein zentralvenöser Zugang gewählt, d.h. an einem großen, venösen Gefäß wird ein Anschlusssystem für die parenterale Ernährung platziert.  Hierbei handelt es sich in der Regel um einen implantierten zentralvenösen Zugang wie:
•    Portkatheter
•    Groshong bzw. Hickmann- od. Broviac Katheter


Verabreichung der parenteralen Ernährung

Die Ernährungslösung wird zu Ihnen nach Hause geliefert. Diese wird dann zu einer bestimmten Zeit über ein Leitungssystem an Ihren Zugang angeschlossen. Die Zufuhr erfolgt in der Regel mit Hilfe einer Pumpe.  Die Verwendung einer Pumpe beinhaltet einige Vorteile:

  • exakte Steuerung der Fließgeschwindigkeit
  • hohe Dosiergenauigkeit
  • Verbesserung der Verträglichkeit

 

In Ausnahmefällen ist auch eine Zufuhr über Schwerkraft, d.h. ohne mechanische Hilfe möglich.

Ist meine Mobilität eingeschränkt?

Wegen der Verträglichkeit kann die Zufuhr der parenteralen Ernährung nur sehr langsam erfolgen. Die Dauer der Infusionstherapie beträgt ca. 12- 14 Stunden. Insofern sollte die Zufuhr über Nacht erfolgen, um Ihnen insbesondere tagsüber eine ausreichende Mobilität zu ermöglichen.  Eine Veränderung der Infusionsdauer darf niemals selbstständig vorgenommen werden. Wenn Sie etwas verändern wollen, sprechen Sie unsere Pflegekräfte an, die  versuchen  werden, Ihren Wünschen zu entsprechen. Auch während der Infusion sind Sie nicht in ihrer Mobilität eingeschränkt. Es besteht die Möglichkeit, den Infusionsbeutel und die Pumpe in einem Rucksack zu verstauen. Der Anschluss und der Abschluss haben allerdings aus hygienischen Gründen in der häuslichen Umgebung zu erfolgen.

Vorgaben der parenteralen Ernährung

Der Arzt hat zusammen mit dem Ernährungsteam ein für Sie individuelles Ernährungsregime erstellt. Um die parenterale Ernährung sicher und effektiv zu gestalten, werden alle Hauptnährstoffe wie Eiweiß ( Aminosäuren), Fett, Kohlenhydrate und Elektrolyte wie Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Chlorid, Phosphor in einem Infusionsbeutel gemischt. Die Vitamine und Spurenelemente werden erst kurz vor Applikation der Ernährungslösung zugesetzt, damit ihre Wirksamkeit erhalten bleibt.

Welche Aufgaben haben Aminosäuren, Kohlenhydrate und Fette?

Aminosäuren ( Eiweiß) sind ein wichtiger Baustein zum Erhalt vieler Organfunktionen. Sie sind des weiteren essentiell für unser Immunsystem und steuern lebensnotwendige Stoffwechselvorgänge. Außerdem sind sie ein wesentlicher Bestandteil unserer Muskulatur.

 

Kohlenhydrate sind die Energielieferanten für unseren Körper. In Infusionslösungen  dient Glucose als Energielieferant, da Glucose von allen Zellen zur Energiegewinnung genutzt wird.

 

Fette  werden neben der Energiegewinnung auch für den Aufbau von Körperzellen benötigt. Insbesondere die essentiellen Fettsäuren ( werden  von unserem Körper nicht hergestellt) sind wichtig, die man von außen zuführen muss.

Wann wird die parenterale Ernährungslösung verabreicht?

Da unsere Körperzellen rund um die Uhr arbeiten, kann die Applikation der Ernährungslösung zu jeder Tageszeit stattfinden. Somit kann die Zufuhr auch über Nacht erfolgen. Die Infusionsdauer richtet sich nach der Zusammensetzung und dem Infusionsvolumen, da die Körperzellen pro Zeiteinheit nur eine ganz bestimmte Menge an Nährstoffen aufnehmen können. Deshalb muss die Infusionsgeschwindigkeit auf die patientenindividuellen Gegebenheiten angepasst werden. Somit können Sie die infusionsfreie Zeit nach ihren persönlichen Wünschen gestalten.

Welche Hygienemaßnahmen müssen getroffen werden?

Zur Vermeidung von Katheterinfektionen sind Auflagen an die Hygiene zu treffen:

 

  • Das Anschließen und das Beenden der Infusion darf nur durch einen geschulten Pflegedienst bzw. Angehörige nach intensiver Schulung durchgeführt werden
  • Die Einrichtung eines festen Arbeitsplatzes zum Vorbereiten der Infusion ist aus hygienischen Gründen hilfreich
  • Halten sie die Verbindungsanschlüsse sauber und schützen Sie diese vor Verkeimung
  • Der Raum, in dem der Arbeitsplatz zur Vorbereitung und Beendigung der Infusion liegt, sollte für Tiere unzugänglich und frei von Topfpflanzen sein
  • Während der einzelnen Tätigkeiten am Katheter und mit der parenteralen Nährlösung müssen Türen und Fenster geschlossen sein, damit Staub und Mikroorganismen durch den Luftzug nicht in das Arbeitsfeld gelangen

 

Unsere Pflegekräfte stehen Ihnen im Umgang mit der Infusionstherapie mit Rat und Tat zur Seite. Sie schulen den von Ihnen gewählten Pflegedienst zum Thema heimparenterale Ernährung im Handling und weisen ihn in die präventiven Hygienemaßnahmen ein.    

Häufigkeit des Verbandswechsel bei dem Zugang

Grundsätzlich entscheidet der behandelnde Arzt über die Häufigkeit des Verbandswechsels. Ist die Austrittstelle reizlos wird im Regelfall alle 2- 3 Tage ein  Wechsel des Verbandes vorgenommen. Löst sich der Verband vorzeitig durch Schwitzen etc. ist eine vorzeitige Erneuerung des Verbandes notwendig. Der Verbandswechsel muss unter aseptischen Bedingungen erfolgen. Die Einstichstelle sollte täglich durch den Verband auf Druckschmerz untersucht werden. Auftretender Druckschmerz ist in der Regel ein Hinweis auf eine beginnende Infektion.

Kann man mit einem zentralvenösen Zugang duschen oder baden?

Für alle Kathetertypen gibt es wasserfeste Transparentverbände, die die Katheteraustrittsstelle abdecken und damit ein Duschen und Baden ermöglichen.

 

Bei einem Portkatheter ohne liegende Nadel kann nach abgeschlossener Wundheilung ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen geduscht oder gebadet werden.

Was muss bei der Körperpflege zusätzlich beachtet werden?

Trotz der parenteralen Ernährung darf eine intensive tägliche Mundhygiene nicht fehlen. Durch die reduzierte orale Aufnahme wird der Speichelfluss vermindert. Dies hat wiederum zur Folge, dass es zu einer Störung der Mundflora kommt, da die Mundschleimhaut nicht ausreichend  befeuchtet wird. Gehäufte Infektionen des Mundraumes können die Folge sein.

 

Einige praktische Maßnahmen:

 

  • tgl. Reinigung der Zähne mit einer weichen Zahnbürste 
  • eventuelle Mundspülungen mit Salbei
  • Lutschen von „sauren Drops“
  • Verwendung von künstlichem Speichel
  • Vermeiden Sie schleimfördernde Getränke wie Milch. Gleiches gilt für gesüßte Getränke, da diese den Durst verstärken
  • Trinken Sie mehrmals tgl. kleine Mengen wie Früchte- oder Kräutertees oder Mineralwasser     

Wann müssen der Arzt und der Pflegedienst informiert werden?

Folgende Komplikationen können im Rahmen der parenteralen Ernährung auftreten. Sollten Sie diese bei sich erkennen, melden Sie sich sofort bei Ihrem Hausarzt bzw. behandelnden Arzt oder informieren Sie uns:

 

  • Die Kathetereintrittstelle schmerzt, ist gerötet oder geschwollen .
  • Auf der kathetertragenden Seite schwellen Hals und Arm an
  • Hohes Fieber > 38° C und/oder Schüttelfrost treten auf
  • Sie leiden an Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Der Katheter lässt sich nicht spülen, löst sich oder ist beschädigt
  • Der Katheter ist undicht.
  • Katheterabriss ( Katheter sofort körpernah abklemmen)

 

Bei unvermittelt auftretenden Schmerzen in der Brust unterbrechen Sie bitte sofort die Infusion der Nährlösung und verständigen Sie umgehend einen Arzt.

 

Treten andere unangenehme Nebenwirkungen auf, informieren Sie bitte Ihren behandelnden Arzt.

Welche Kosten habe ich als Patient zu tragen?

Die Kosten für Arznei- u. Hilfsmittel werden von den gesetzlichen Krankenkassen und den privaten Krankenversicherungen übernommen. Die Organisation der Rezepte, die für parenterale Ernährung notwendig sind, wird durch die Glocken- Apotheke sichergestellt. Bei Fragen zur Kostenübernahme der Arznei-, Verband- u. Hilfsmittel stehen Ihnen die Mitarbeiter der Glocken- Apotheke zur Verfügung. Wir nehmen auch direkten Kontakt zu den Versicherungsträgern auf, falls dieses erwünscht wird.

 

Für alle pflegerischen Maßnahmen im Umgang mit der zentralvenösen Versorgung steht Ihnen laut Sozialgesetzbuch professionelle Hilfe zu. Sie bedarf einer ärztlichen Verordnung und die Kosten werden durch die Krankenkassen übernommen.

Die Grundpflege ( Hilfe bei der Körperpflege, Ernährung und Mobilität sowie hauswirtschaftliche Hilfestellungen) gehört zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Vorraussetzung für Ansprüche aus der Pflegeversicherung ist die Einstufung in eine Pflegestufe ( Stufe I,II,III) durch den MDK ( Medizinischer Dienst der Krankenkassen). Wir geben Ihnen gerne Hilfestellung zur Klärung von Formalitäten und sind Ihnen bei der Auswahl eines Pflegedienstes gerne behilflich.



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